Foto: Klaus-Dieter Pape

"Wir sind Helden" - oder: Jetzt ist die Zeit für heilig Heilendes

Mit Allerheiligen beginnt für viele der sog. „Totenmonat“ November. Menschen gedenken der Verstorbenen: Familienangehörigen, Freunden und der Opfer von Krieg und Gewalttaten. Dieser Blick zurück ist wichtige Versicherung der eigenen Lebensgeschichte und Verwurzelung in ihr.

Aber kann es anlässlich der Erinnerung an die Verstorbenen nur den traurigen Blick zurück auf das Sterben und den Verlust geben? Denn selbst im Rückblick schauen wir doch gerade auch auf das Lebendige zu Lebzeiten der Verstorbenen. Und meistens kommen da die guten Spuren zu Tage, die der oder die Verstorbene hinterlassen hat.

So würde ich gerne die Frage stellen, wie sieht es mit den Heiligen zu unseren Lebzeiten aus? Hat der Gedenktag Allerheiligen nicht vielmehr mit Leben zu tun als nur mit Tod und Abschied? Kann ich nicht versuchen, schon heute selbst heilig zu leben? Und das heißt wohl in erster Linie, heilend zu leben.

Die Zeit, dies zu versuchen, ist nicht erst dann gekommen, wenn die Nachkommen nach dem Tod auf das Leben der Verstorbenen zurückschauen. Da findet sich das eine oder andere, was einen Menschen besonders macht. Doch jetzt ist für uns die Zeit, dem Unheil und der Heillosigkeit dieser Welt mit göttlichem Rückenwind heilend entgegenzuwirken. 

Da ist die Geschichte aus dem alten Griechenland von dem Weitspringer aus Rhodos, der bei der Olympiade kläglich versagte und es damit entschuldigte, dass er zu Hause auf Rhodos immer viel weiter springe. Ihm wurde gesagt: Hic Rhodos, hic salta. Hier ist Rhodos, hier gilt es große Sprünge zu machen. D. h.: egal, wo und wann ich lebe, gilt es ein Heiliger zu werden.

Da wäre das Kind der alleinerziehenden arbeitenden Mutter, das am Tisch der Nachbarin einen Platz findet und mit den Hausaufgaben nicht alleine ist.

Da wäre der Mann, der mit seinem, um seine verstorbene Frau trauernden Freund, spazieren geht, und den geliebten Skatabend sausen lässt.

Da wäre der Arbeitgeber, der dem alkoholabhängigen Mitarbeiter eine letzte Chance gibt.  

Da wäre die krebskranke junge Frau, die die Umarmungen und die Nähe der Freundin so dringend braucht.

Das alles sind heilig heilende Taten noch namenloser Heiliger: In Gottes Namen hinterlassen sie jetzt ein besseres und erreichen bei Gott das vollkommene Leben. Strecken wir jetzt die Hand aus und helfen einander die Felsen unseres Lebens zu besteigen. Gemeinsam werden wir es schaffen.

 

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Diakon
Klaus-Dieter Pape (kath.)