Foto: Beatrix Schubert


„… schönen Urlaub dann!“
Tja, schön wär’s.
von Beatrix Schubert

Wo man auch hinhört in diesen Tagen – überall heißt es „schönen Urlaub dann!“ Toll – und ich? Ich hätte auch gern Urlaub, aber das wird nichts dieses Jahr, nicht mit dieser Diagnose … Und ich fühle Enttäuschung, Traurigkeit, auch Wut darüber, dass das Leben in diesem Jahr so anders ist. 

Manchmal denke ich: So muss es Patientinnen und Patienten, auch ihren Angehörigen gehen, die ich in der Klinik treffe. Überall gute Laune, schönes Wetter, Aufbruchsstimmung – nur bei mir, bei uns ist alles anders. Nur bei uns machen Sorge, Ungewissheit, Ohnmacht und Angst den Alltag aus. Und keine Rede von Entspannung und Erholung …

Es stimmt natürlich nicht, dass das NUR bei Patienten und Angehörigen so ist. Auch wer in Urlaub gehen kann, nimmt sein ganz normales Leben, all die Fragen und Themen mit, die es belasten. Und anders herum, auch wer nicht in Urlaub gehen kann, erlebt doch in dem, was das Leben grade ausmacht, die guten Momente: Jemand, der mich auf dem Klinikflur anlächelt, einfach so. Die Pflegekraft, die mich fragt, ob ich gut geschlafen habe. Der leichte Wind, der meine Wangen streichelt, wenn ich die schattigen Stunden des Morgens für einen Besuch im Klinikgarten nutze. Das Zwitschern der Vögel, das mir sagt: das Leben geht weiter.

Der Schriftsteller Klaus Modick hat diese Erkenntnis mal in einen klugen Satz gepackt:
„Überhaupt kommen Erfahrungen und Gefühle nie ganz rein daher.
Es gibt kein Glück, dem nicht eine Spur Unglück beigemischt wäre,
und sei es nur das Bewusstsein der Flüchtigkeit;
und es gibt kein Unglück, in dem nicht noch Glücksmomente überdauern,
und sei es nur als Hoffnung.“ *

Also, ob Sie nun in Urlaub gehen können oder nicht: Schärfen Sie Ihre Sinne für die Flüchtigkeit und nehmen Sie die - großen oder kleinen - Glücksmomente wahr, die die Hoffnung stark machen!

 

* Quelle: Klaus Modick, Vatertagebuch, Frankfurt 2005, S. 86.

 

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Pastoralreferentin
Beatrix Schubert (kath.)