Österlich leben!
von Georg Gebhard

Dieses Jahr fällt der Ostersonntag auf den 1. April. Und das ist bekanntlich der Tag im Jahr, an dem diejenigen das Nachsehen haben, die zu leichtgläubig sind und deshalb auf die sogenannten Aprilscherze hereinfallen, die listige Zeitgenossen für sie ausgedacht haben. Ist Ostern ein Aprilscherz? Kann man ernsthaft daran glauben, dass Jesus Christus den Tod besiegt hat, dass letztlich das Leben stärker ist als der Tod – oder hat doch der kürzlich verstorbene geniale Physiker Steven Hawking recht, wenn er den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod als ein besonderes Märchen betrachtet, ersonnen von denen, die sich fürchten vor dem Dunkel?

Eben komme ich von einem längeren Gespräch mit einem schwer kranken Patienten und seiner Frau: Blasenkrebs, sehr belastende Chemotherapie, Operation, in der Folge viele schwere Komplikationen und bereits viel länger in der Klinik, als ursprünglich geplant. Jetzt aber endlich ganz leichte Anzeichen einer Beruhigung und Besserung, in undeutlichen Umrissen deutet sich so etwas wie eine Perspektive an, auch wenn noch ein langer Weg zu gehen ist. Das Ehepaar sagt mir, dass dieses Jahr Ostern für sie eine ganz besondere Bedeutung hat. Durch die Krankheit und den komplikationsreichen Verlauf der Behandlung wurde alles durcheinandergewirbelt. Das ganze bisherige Lebensgefüge geriet aus den Fugen. Lange war unklar, ob das Leben überhaupt weitergeht. Dennoch gab es auch Wertvolles: Intensive Erfahrungen, als Ehepaar und als Familie gemeinsam unterwegs zu sein, Erfahrungen der Anteilnahme und des Beistands von Freunden, und auch die Erfahrung einer besonderen innewohnenden Kraft, die dabei hilft, standzuhalten. Und jetzt deutet sich an, dass das Leben wohl doch weitergeht. Es wird nicht mehr so sein wie vorher. Einschränkungen werden bleiben. Neue Erfahrungen und Einsichten sind dazugekommen. Aber in einer neuen, verwandelten Gestalt wird das Leben weitergehen. „Ostern heißt für uns dieses Jahr Neubeginn“, sagt die Ehefrau des Patienten.

Dieses Gespräch wirkt in mir nach und arbeitet in mir weiter. Ja, es ist so: Wir machen in unserem Leben die Erfahrung, dass vieles durcheinandergewirbelt werden und aus den Fugen geraten kann. Aber manchmal machen wir auch die Erfahrung, dass daraus etwas Neues entsteht, dass das Leben weitergeht in verwandelter Gestalt. Erfahrungen von Auferstehung mitten im Leben. Und solche Erfahrungen können auch dem Glauben Kraft geben, dass auch der letzte große Untergang – in Wirklichkeit eine Verwandlung ist.

„Es wird ein Sonnenaufgang sein, wenn das Boot unseres Lebens landet am anderen Ufer. Und einer wird dort stehen und auf uns warten. Und alles wird münden in diesen Hafen des Friedens, wo wir ihm übergeben, was immer wir sind.“

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Pastoralreferent
Georg Gebhard (kath.)