Foto: Friedemann Bresch
Ent-Bindung
von Brunhilde Leyener 

In manchen südlichen Ländern und Ländern des Orients werden Tiere (Schaf,  Rind oder Esel) an einem Pflock gebunden. Im Kreis um diesen Pflock können sie sich bewegen und grasen – sie brauchen keinen Zaun, keine Aufsicht. Wenn abgegrast ist, dann wird der Pflock um ein paar Meter versetzt, wieder grasen die angebundenen Tiere im Umkreis ihres Pflocks. Ob Jesus wohl solches Angepflocktsein gesehen hat? Wenn ja, dann sind ihm wohl viele Menschen – wir Menschen alle – als Angebundene vorgekommen. Jedenfalls hat er immer wieder  Menschen aufgerufen, ihr Gebundensein zu lösen: Zöllner hat er eingeladen, sich von der Bindung an ihr Geld zu lösen, Sünder hat er gelöst von der Bindung an die Vergangenheit, Besessene hat er losgebunden von ihren fixen Ideen und Kranke befreit von ihrem Leiden. All die, die sich haben losbinden lassen, sie wurden frei mit ihm zu gehen, ihm nachzufolgen. Nicht alle konnten diese Herausforderung annehmen, denn sie mussten dafür Gewohntes aufgeben. Der reiche Jüngling ist ein Beispiel. Manchmal ist es eben bequemer im Kreis um den Pflock der Gewohnheiten, der lieb gewordenen Sicherheiten zu laufen.

Sich losbinden zu lassen, das erfordert sehr viel Mut.  Um Jesus nachfolgen zu können müssen alte Bindungen aufgegeben werden. 

Christus nachfolgen bedeutet, sich entbinden zu lassen – entbinden zu lassen von den Bildern, die wir in uns tragen.

Lassen wir die Bilder los von uns selber – wie tapfer wir unsere Krankheit zu tragen haben oder auch wie duldsam wir uns ihr zu ergeben haben – lösen wir uns von Bildern, die wir uns von anderen Menschen machen und lassen wir sie sein, wie sie sind. 

Wir spüren, welche Chancen zu einem befreiten Leben in dieser Ent-Bindung stecken kann. Ent-Bindung ist der Durchbruch zu einem neuen Leben in Gott geschenkter Freiheit. Ent-Bindung hilft auch zu einem befreiten Umgang mit Krankheit und Leid. Ich möchte sie zu ersten, ganz kleinen Schritten ermutigen! 

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Pastoralrefrentin
Brunhilde Leyener (kath.)