Foto: C. Schmitz (privat)

Zu Hause sein ...
von Mathias Schmitz

Es gibt einen Satz, der sehr oft im Krankenhaus gesagt wird:  Wissen Sie, ich will eigentlich nur nach Hause! Oder: Wenn man mir nur endlich sagen würde, wann ich nach Hause darf!

Zu Hause sein – nach Hause gehen – sich nach Hause sehnen – wer vor allem, der längere Zeit in der Klinik ist, kennt das nicht? Und wie viele mögen schon diese enttäuschenden Worte bei der Visite gehört haben: Es tut uns leid, aber so können wir Sie noch nicht nach Hause lassen!

Worte, die sagen: Du musst noch hier bleiben, es noch aushalten in der fremden Umgebung. Da, wo du dich nicht auskennst, nicht so viel selbst bestimmen kannst. Da, wo nicht du handelst, sondern wo du behandelt wirst. Und selbst wenn man sich vielleicht sehr gut aufgehoben fühlt – man bleibt ja ein Gast, ein Fremder. Ein Patient eben, der sein Zuhause anderswo hat.

Was ist das eigentlich, zu Hause sein? Was macht es aus, mein Zuhause? Was brauche ich, um mich zu Hause zu fühlen? Manche bringen ein kleines Stückchen Zuhause mit in die Klinik. Ein Foto auf dem Nachttisch, eine Rose aus dem Garten, das kleine Kissen, das man daheim immer im Bett hat. Etwas Vertrautes, Eigenes, das die Atmosphäre mitbringt, die ich gewohnt bin. Und es steht für mehr, als es oberflächlich aussieht. Es steht für einen Menschen, der zu mir gehört. Es steht für das, was ich gestaltet habe, was mir wichtig ist, was mir einen Halt gibt.

Freilich, es gibt Menschen, die sind erstaunlich unabhängig von allem, was ihnen äußerlich ein Zuhause ist. Ich denke an eine alte Frau, die viele Wochen in der Klinik lag. Sie bekam wenig Besuch. Sie hatte eine lange Zeit mit ihrer Krankheit zu kämpfen. Bei den Besuchen hat sie mir viel aus ihrem bewegten Leben erzählt. Und immer wieder sagte sie mit einem feinen Lächeln im Gesicht: Ich weiß aber, dass mein Herrgott bei mir ist. Und wo er ist, da bin ich zu Hause. Immer.

An diese Frau muss ich immer wieder denken, wenn mir die Sehnsucht nach Zuhause begegnet – bei mir selbst oder bei Menschen, die ich besuche.

 

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